Wie erkennt man das Herzinfarkt-Risiko? Mit einem Fragebogen.

Ein Schnelltest für den Heimgebrauch könnte bald helfen, kardiovaskuläre Risiken zu erkennen.

, 15. August 2024 um 22:25
letzte Aktualisierung: 27. September 2024 um 05:46
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Bild: Jesse Orrico on Unsplash
Eine Liste mit 14 Fragen, die sich in etwa zehn Minuten ausfüllen lässt: Das könnte genügen, um Menschen zuverlässig zu erkennen und zu informieren, die ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben. Zu diesem Befund kommt eine Arbeit, welche Ärzte der Universität Göteborg respektive des dortigen Sahlgrenska-Spitals jüngst vorlegten.
Basis war eine schwedische Datenbank, in der die CT-Scans von über 25’000 Personen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren erfasst sind, welche wiederum einen erhöhten Koronarkalk-Wert aufwiesen.
Einem Sample daraus legte das Team um Göran Bergström einen Test vor, den es vorher entwickelt hatte. Es handelte sich um insgesamt 14 Fragen, die Aspekte wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck, Blutfettwerte, Diabetes, Tabakkonsum oder familiäre Fälle von kardiovaskulären Erkrankungen erfassen sollen.
Zudem hatten die Forscher einen eigenen Algorithmus zur Gewichtung der Antworten entwickelt.
Diese Ergebnisse wiederum verglichen sie mit den Resultaten eines aufwändigen klinischen Verfahrens, bei dem Labortests und ärztliche Beobachtung zum Einsatz kamen.
Fazit: Der Fragebogen hielt qualitativ mit.
Konkret zeigte sich, dass der Schnelltest – Ausfülldauer: 5 bis 8 Minuten – zwei Drittel (65 Prozent) jener Menschen ans Licht brachte, die tatsächlich ein hohes Risiko eines kardiovaskulären Vorfalls tragen.

Schnelles Frühwarn-System

«Viele Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, sind scheinbar gesund und asymptomatisch, weisen aber Fettablagerungen in den Herzkranzgefässen auf, die Arteriosklerose», so Bergström: «Unser Test ermöglicht es, fast zwei Drittel der Menschen im Alter von 50 bis 64 Jahren zu identifizieren, die an einer signifikanten koronaren Atherosklerose leiden und daher einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Vorfälle ausgesetzt sind.»
Die praktische Absicht dahinter ist klar: Durch solch einen Fragebogen – so er denn zuverlässig ist – liessen sich viele gefährdete Menschen ohne grossen Aufwand erkennen und früh genug betreuen.
Nun hat das Forschungsteam weitere Studien in Schweden sowie mit Daten aus den USA begonnen, um herauszufinden, wie der Test bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen funktioniert.
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