Massenexodus von Pflegepersonal befürchtet

Auslöser dafür sollen laut «ICN» die Belastungen durch die Pandemie sein. Auch der «SBK» befürchtet noch mehr Kündigungen: Derzeit sind über 6000 Stellen ausgeschrieben.

, 12. Mai 2021 um 09:36
image
80 Prozent der nationalen Pflegeverbände vermelden gesundheitliche Probleme wie Erschöpfung, Burnout, Depression und Schlafstörungen bei Pflegefachpersonen. (Symbolbild Pexels)
Liegt es nun an der Covid-Pandemie mit den immensen Belastungen für das Pflegefachpersonal, oder an den generellen Arbeitsbedingungen, die seit Jahren vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) kritisiert werden? Tatsache ist, dass in der Schweiz bereits vor der Pandemie fast die Hälfte der ausgebildeten Pflegefachpersonen aus dem Beruf ausgestiegen sind – viele bereits vor ihrem 35. Geburtstag. Doch zuerst zu den Befürchtungen des International Council of Nurses (ICN):
Der Warnschrei des ICN vor einem Massenexodus von Pflegefachpersonen folgt zum alljährlichen International Nurses Day (IND). Der ICN geht davon aus, dass die immensen Belastungen durch die Covid-Pandemie dazu führen könnten, dass drei Millionen Pflegefachleute den Beruf verlassen, schreibt der SBK in seiner Mitteilung. Zum Verhältnis: Weltweit zählt der ICN 27,8 Millionen Pflegefachpersonen. 

Covid-Opfer, Gewalt und Diskriminierung

Schon in normalen Zeiten habe die Berufsgattung unter hohen Belastungen, schlechter Bezahlung und tiefer Anerkennung gelitten. Die permanente Überlastung der Pflegefachpersonen, die in der Pandemiebekämpfung weltweit an vorderster Front stehen, fordere nun ihren Tribut. 
80 Prozent der nationalen Pflegeverbände würden gesundheitliche Probleme wie Erschöpfung, Burnout, Depression und Schlafstörungen vermelden. In mehreren Ländern seien Pflegefachpersonen Opfer von Diskriminierung und Gewalt: Ihnen werde unterstellt, das Virus zu verbreiten. Weltweit seien 2700 Pflegefachpersonen dem Coronavirus zum Opfer gefallen. 
Auf Anfrage von Medinside erklärt der SBK, dass dem Verband nicht bekannt sei, dass Pflegefachpersonen an Covid gestorben seien. Was bekannt ist: Gemäss Bundesrat erkrankten hierzulande 5000 Gesundheitsfachpersonen an Covid; rund 300 mussten hospitalisiert werden.

Die Befürchtungen des SBK

Der International Nurses Day geht heute auch in der Schweiz über die Bühne: Nebst diversen Protestmärschen, begrüsst Bundespräsident Guy Parmelin am virtuellen SBK Kongress. Ebenso ein Wort an die Teilnehmenden richten werden BAG-Direktorin Anne Lévy sowie der CEO des ICN, Howard Catton und Shoshi Goldberg, Chief Nursing Officer aus Israel.
Wie der SBK in seiner Mitteilung schreibt, gibt es vermehrt Hinweise, dass die Ausstiegsquote in der Schweiz steigen wird. «Ein Monitoring über die Konsequenzen der Pandemie für die Pflegenden besteht in der Schweiz noch nicht», lässt sich Yvonne Ribi, Geschäftsführerin SBK, zitieren. In den Diskussionen rund um den indirekten Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative hätte es das Parlament in der Hand gehabt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, damit Pflegenden im Beruf bleiben.

Keine konkreten Zahlen vorhanden

Doch wie sieht die Situation in der Schweiz tatsächlich aus? Konkrete Zahlen dazu gebe es nicht, so der SBK. «Wir hören davon aus Institutionen, Medien und von Mitgliedern. Dass es nachweislich an Fachkräften mangelt, zeigt unter anderem der Job-Radar mit fast 6000 offenen Stellen für diplomierte Pflegefachpersonen – seit Jahren unangefochtener Spitzenreiter», erklärt Martina Camenzind vom SBK gegenüber Medinside. 
Ein Blick auf den Job-Radar bestätigt die Aussage: Wie der Screenshot unten zeigt, sind Pflegefachpersonen mit 6124 offenen Stellen nebst Elektromonteuren und Software-Entwicklern in Bezug auf die Menge der ausgeschriebenen Stellen in der Schweiz unter den Top 3.
image
Mit 6124 offenen Stellen sind Pflegefachpersonen nebst Elektromonteuren und Software-Entwicklern in Bezug auf die Menge der ausgeschriebenen Stellen in der Schweiz unter den Top 3. (Printscreen)
Artikel teilen
  • Share
  • Tweet
  • Linkedin
  • Whatsapp
  • Telegram
Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Was ist Ihr Beruf?

Wo arbeiten Sie?*

undefined
undefined

*Diese Angaben sind freiwillig. Sie bleiben im Übrigen anonym.
Warum bitten wir Sie darum? Medinside bietet Ihnen die Informationen und Beiträge kostenlos. Das bedeutet, dass wir auf Werbung angewiesen sind. Umgekehrt bedeutet es idealerweise auch, dass Ihnen auf Medinside möglichst nur Werbung gezeigt wird, die zu Ihnen passt und die Sie interessant finden könnten.
Wenn wir durch solche Erhebungen Angaben über das allgemeine Profil des Medinside-Publikums gewinnen, nützt dies allen: Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, uns und unseren Kunden. Vielen Dank!


Mehr zum Thema

image

Pflege plus Integration: Freiburg startet Pilotprojekt

Der Kanton reagiert auf den Pflegepersonal-Mangel mit einer Spezial-Ausbildung: Sie verbindet Sprachunterricht mit beruflichem Einstieg in Pflegeheimen.

image
Die Schlagzeile des Monats

«Niemand kam und sagte: Schön bist du da»

In unserer Video-Kolumne befragen wir Experten aus der Branche zu aktuellen Themen. Diesmal: Alessia Schrepfer, Gründerin und Co-Chefin von WeNurse.

image

Zug verliert seinen beliebten Gesundheitsdirektor an Bern

Gesundheitsdirektoren haben in den Kantonen oft einen schweren Stand. Nicht so der Zuger Martin Pfister. Doch nun geht er in den Bundesrat.

image

Teilzeit im Spital: Flexibilität ist alles – bei der Kinderbetreuung

Teilzeitarbeit ist längst ein zentraler Faktor für Spitäler und Gesundheitsbetriebe. Mit weitreichenden Folgen.

image

HUG: Sieben Entlassungen wegen sexuellen Fehlverhaltens

Nach dem RTS-Film zu Missständen im Westschweizer Spitälern blieb eine neue #MeToo-Welle zwar aus. Das Genfer Unispital HUG zieht dennoch Konsequenzen.

image

Kleiner Trick mit Wirkung: Der Kopf-Kleber im Operationssaal

Wer im OP mitarbeitet, trägt einen bunten Kleber auf der Haube – mit Vorname und Hinweis zur Berufsgruppe. Eine deutsche Universitätsklinik schafft so mehr Klarheit und Teamgeist bei Operationen.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.