Fisch aus Vietnam und Lamm aus Neuseeland im Luks

Das Kantonsspital Luzern wirbt mit klimaneutraler Spitalküche. Aber es serviert ausländischen Fisch und Fleisch vom anderen Ende der Welt.

, 2. August 2023 um 13:41
image
Mit diesem Bild warb das Luks für seine klimaneutrale Woche in der Spitalküche. | Luks
Der Journalist der «Luzerner Zeitung» wunderte sich, als er im Restaurant des Luzerner Kantonsspitals (Luks) die Lebensmittel-Deklarationen studierte: Alle Fischarten stammen aus dem Ausland. Eglifilets und -knusperli werden aus Russland importiert, Zander aus Estland und Kasachstan, Wels und Pangasius aus Vietnam, Miesmuscheln aus Chile und Forellen aus Italien sowie Norwegen.

Lamm und Wild aus Neuseeland

Auch das Fleisch kommt von weit her: Das Lammfleisch aus Australien und Neuseeland; Wild ebenfalls aus Neuseeland sowie aus Deutschland und Österreich.
Das wäre an sich nicht weiter erstaunlich – wenn die Luks-Spitäler nicht gleichzeitig so viel Selbstlob für ihre «Nachhaltigkeit», ihren «sorgfältigen Umgang mit allen Ressourcen» und ihren «Respekt für die Umwelt» ausschütten würden.

Nur eine Woche «klimaneutral»

Gerade mal acht Monate ist es her, dass die Luks-Spitäler mit einer «klimaneutrale Woche in den Spitalküchen» warben. Serviert wurden unter anderem veganes Filet, Weizen-Schnitzel mit Pilzragout und Spaghetti mit Soja-Bolognese.
Messungen des ökologischen Fussabdrucks hätten ergeben, dass in den Küchen der Spitäler Luzern, Sursee, Wolhusen und Stans mit diesem Angebot nur 30 Tonnen CO2 ausgestossen worden seien.

Schnell vergessen

«Wir haben diese Woche viel über Nachhaltigkeit in der Küche gelernt», sagte Daniel Gehriger, Leiter Gastronomie und Hotellerie am Luks. Die Mitarbeitenden seien täglich über den ökologischen Fussabdruck ihres Menüs informiert worden.
Doch offenbar waren die lobenswerten Vorsätze schon bald wieder vergessen. Warum? Beim Fisch sei das Angebot in der Schweiz zu klein, begründete das Spital gegenüber der «Luzerner Zeitung». Die russischen Egli seien tiefgefrorene Lagerbestände. Auf neue Lieferungen aus Russland verzichtet das Spital. Auch beim Wild sei das Angebot aus der Schweiz zu klein.

Schweizer Lamm zu teuer

Einen anderen Grund gibt es für das Lammfleisch aus Australien und Neuseeland: Schweizer Lamm wäre schlicht zu teuer.
Daniel Gehriger betont aber: «Aktuell stammen 85 Prozent der angebotenen Fleischprodukte aus der Schweiz. Diesen Anteil wollen wir weiter steigern.» Kalb-, Rind- und Schweinefleisch sowie Poulet und Truthahn kämen aus der Schweiz.

Mit «klimaneutral» in die Irre geführt

Das Luks nannte seine Aktionswoche in der Spitalküche «klimaneutral». Dies, weil das Luks die 30 Tonnen CO₂, welche angefallen sind, «kompensiert» hat. Das Spital hat mit einer Geldzahlung an Myclimate den Bau eines Kleinwasserkraftwerks in Vietnam unterstützt.

Schönfärberei

Kürzlich hat der Konsumentenschutz Beschwerden eingereicht gegen Firmen, welche für ihre angebliche Klimaneutralität werben. Das seien «Schönfärberei und haltlose Behauptungen». Ausdrücke wie «klimaneutral» würden in die Irre führen.

Mit Geld andere kompensieren lassen

Der Konsumentenschutz kritisiert, dass die Unternehmen Geld zahle, damit andere stellvertretend für sie kompensieren. Das Europäische Parlament will die Verwendung von Slogans wie «CO2-neutral» oder «kohlenstoffneutral» sogar verbieten, weil sie oft missverstanden würden und somit irreführend seien.


Artikel teilen
  • Share
  • Tweet
  • Linkedin
  • Whatsapp
  • Telegram
Kommentar

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Was ist Ihr Beruf?

Wo arbeiten Sie?*

undefined
undefined

*Diese Angaben sind freiwillig. Sie bleiben im Übrigen anonym.
Warum bitten wir Sie darum? Medinside bietet Ihnen die Informationen und Beiträge kostenlos. Das bedeutet, dass wir auf Werbung angewiesen sind. Umgekehrt bedeutet es idealerweise auch, dass Ihnen auf Medinside möglichst nur Werbung gezeigt wird, die zu Ihnen passt und die Sie interessant finden könnten.
Wenn wir durch solche Erhebungen Angaben über das allgemeine Profil des Medinside-Publikums gewinnen, nützt dies allen: Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, uns und unseren Kunden. Vielen Dank!


Mehr zum Thema

image

Neuer Leistungsauftrag für die Oberwaid

Die Klinik Oberwaid ist neu auch mit muskuloskelettaler Rehabilitation auf der Spitalliste der Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. So kann die Oberwaid auch in diesem Fachgebiet grundversicherte Patienten behandeln und leistet einen wichtigen Beitrag in der Region.

image

Zurück in die Vergangenheit: Spitäler wollen Geld vom Kanton

An sich sollten die Kantone ihre Spitäler nicht mehr finanzieren. Doch immer häufiger zahlen die Regierungen trotzdem – und verzerren möglicherweise den Wettbewerb.

image

Luzerner Kantonsspital braucht wohl bald Geld

Die Höhenklinik des Spitals machte 180'000 Franken Verlust - pro Monat. Die Kantonsregierung rechnet damit, dass das Kantonsspital Hilfe braucht.

image

Spital Samedan gehört bald zum Kantonsspital Graubünden

Dadurch werden wohl einzelne Stellen neu ausgerichtet oder aufgehoben. Andererseits dürften in den medizinischen Bereichen rund 20 zusätzliche Stellen entstehen.

image

100 Millionen Franken? Danke, nicht nötig.

Der Kanton Graubünden plante einen Rettungsschirm für notleidende Spitäler und Gesundheits-Institutionen. Die Idee kam schlecht an.

image

LUKS Gruppe baut Verwaltungsrat um

Elsi Meier, Giatgen A. Spinas und Pauline de Vos verlassen das Gremium. Die Nachfolge-Suche hat bereits begonnen.

Vom gleichen Autor

image

Medikamente: Diese fünf Irrtümer müssen alle kennen

Epinephrin statt Ephedrin? Solche Verwechslungen können tödliche Folgen haben. Gut zu wissen, wo die grössten Gefahren lauern.

image

«Hausarzt ist kein Beruf, den man subventionieren muss»

Ein Arzt macht vor, wie eine Berggemeinde zu medizinischer Versorgung kommt. Und er kritisiert Kollegen, die einfach ihre Praxis schliessen.

image

Pflegefachleute verschreiben so sachkundig wie Ärzte

Das dürfte das Pflegepersonal freuen: Es stellt laut einer US-Studie genauso kompetent Arzneimittel-Rezepte aus wie Ärzte.