Kaum mehr Ärzte – aber deutlich mehr Ärztinnen

Die Ärzte-Zahl in der Schweiz nahm 2021 nochmals etwas zu. Doch der Trend zur Überalterung in der Grundversorgung hält an.

, 23. März 2022 um 14:34
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Die Frauen sorgen dafür, dass die Ärztezahl in der Schweiz noch steigt. Bild: Nensuria Freepik
Um gerade mal 26 Männer ist die Zahl der Ärzte in der Schweiz letztes Jahr gestiegen. Ganz anders sieht es bei den Frauen aus: Dank ihnen ist der Ärztebestand doch ansehnlich gewachsen. 694 Frauen sind zusätzlich ins Berufsleben eingestiegen.

45 Prozent Frauenanteil

Unter dem Strich zeigt die heute erschienene Ärztestatistik der Standesverbindung FMH: Im Jahr 2021 waren in der Schweiz insgesamt 39'222 Ärztinnen und Ärzte berufstätig. Der Frauenanteil erreicht dabei 45 Prozent.

Die FMH sorgt sich um den Nachwuchs

Trotzdem fürchtet die FMH einen Versorgungsengpass. Denn ein Viertel der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist bereits 60 Jahre alt oder älter. In den Praxen beträgt das Durchschnittsalter 55 Jahre, in den Spitälern 44 Jahre.

Viele deutsche Ärzte

Auch der Anteil an Ärzten aus dem Ausland nimmt weiter zu. Mittlerweile haben 38,4 Prozent ein ausländisches Arztdiplom. Über die Hälfte von ihnen stammt aus Deutschland. 9 Prozent stammen aus Italien, 7 Prozent aus Frankreich und 6 Prozent aus Österreich.

Das bevorzugte Fachgebiet: Allgemeine Innere Medizin

Am meisten Ärzte, nämlich gut ein Fünftel, arbeiten als Allgemeine Innere Mediziner. An zweiter Stelle folgen die Psychiatrie und Psychotherapie (10 Prozent). Mit je 5 Prozent sind auch die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe gefragte Fachgebiete.
Die FMH rechnet diese Fachrichtungen gemeinsam der Grundversorgung zu und stellt fest: Dieser Anteil ist seit 2013 rückläufig.

Kinder und Gynäkologie bei Frauen gefragt

Die grössten Frauenanteile – nämlich jeweils über 60 Prozent haben die Kinder- und Jugendmedizin, die Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe.
Viel krasser ist das Ungleichgewicht bei den männerdominierten Fachrichtungen: In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie arbeiten nicht einmal 8 Prozent Frauen, in der Thoraxchirurgie weniger als 10 Prozent und in der Orthopädische Chirurgie nur gut 13 Prozent.

Frauenanteil nimmt mit steigender Hierarchiestufe ab

Im Spitalsektor nimmt der Frauenanteil mit steigender Hierarchiestufe deutlich ab. Überwiegt der Anteil der Ärztinnen bei den Assistenzärztinnen und -ärzten noch mit knapp 60 Prozent, sinkt er auf der Oberarztstufe auf 50 Prozent. Bei den Leitenden Ärzten hat es knapp 30 Prozent Frauen und bei den Chefärzten nur 15 Prozent.
Der Hauptgrund für diese ungleiche Verteilung: In den Kader- und Chefarztpositionen hat es besonders viele ältere Ärzte – und damit vor allem Männer.

FMH fordert bessere Arbeitsbedingungen

Die FMH glaubt, dass der medizinische Nachwuchs nur gefördert werden kann, wenn der Bundesrat den TARDOC als neuen Arzttarif genehmigt, wenn es kein Kostendach für Behandlungen gibt, wenn die administrative Belastung nicht weiter zunimmt und wenn die Kantone das neue Zulassungsrecht «mit Augenmass anwenden».
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