So punkten Gesundheitsprofis beim nächsten Bewerbungsgespräch

Ein Vorstellungsgespräch ist auch für das hohe Kader in Spitälern ein Minenfeld. Michèle Etienne, Rekrutierungsprofi für das Gesundheitswesen, hat für Medinside die wichtigsten Punkte herausgefiltert.

, 24. Oktober 2019 um 10:53
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Klinik-Finanzchef, Spital-CEO oder Kaderarzt: Wir haben die «Dos and Don'ts» für den richtigen Pitch. | Pixabay   
Bei Bewerbungsgesprächen steht viel auf dem Spiel. Die Nervosität mag zwar noch so gross sein, Kandidatinnen und Kandidaten haben die Chance, sich darauf vorzubereiten. Trotzdem verwenden die meisten Menschen mehr Zeit auf die Zubereitung ihres Abendessens als auf die Vorbereitung für das Job-Interview.
Damit die Zahl Ihrer ernst zu nehmenden Konkurrenten abnimmt, sollten Sie sich auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten. Medinside hat beim Beratungs-Unternehmen Innopool nachgehakt. Die Executive-Searcher-Firma rekrutiert unter anderem Spitalchefs, Kaderärzte und Geschäftsleitungsmitglieder im Gesundheitswesen. Eins vorneweg: Hier besteht einiges an Nachholbedarf. 

So meistern Sie jedes Bewerbungsgespräch

«Wir stellen fest, dass viele Bewerber wenig Erfahrung mitbringen und durch ihr Verhalten Fauxpas begehen», sagt Michèle Etienne von Innopool. Diese könnten sich auf den weiteren Selektionsprozess negativ auswirken. Das beginne bei der Kleiderwahl, gehe über die Vorbereitung und das Gespräch bis hin zum richtigen Abschluss des aktuellen Bewerbungsschrittes, so die Rekrutierungsexpertin. 

Dos

  • Den Kleidungsstil bewusst wählen (abgestimmt auf Publikum, Unternehmen und Position).
  • Die Leute im Wahlausschuss googeln und mit Namen ansprechen (beruflicher Kontext, Netzwerk des Gegenübers kennen).
  • Professionelle Vorbereitung auf das Gespräch. Mit anderen Worten: Man kennt im Erstgespräch schon die kulturellen Eckwerte, die strategischen Herausforderungen oder die Besonderheiten des Angebotsportfolios eines potenziellen Arbeitgebers.
  • Augenkontakt zu allen herstellen und nicht nur zu VRP oder CEO.
  • Antizipieren von Fragen im Vorfeld. Wenn eine Institution eine besondere Herausforderung hat, dann ist es naheliegend, dass Kandidat/innen gefragt werden: «Wie genau haben Sie in einer Position eine kritische Situation gelöst?» In erster Linie werden im Interview Arbeitsweise und Einstellungen hinterfragt. 
  • Wenn die Frage «überfordert», dann kein Schnellschuss, sondern darum bitten, die Frage reflektieren zu dürfen.
  • Zeit einhalten bei einem Pitch.
  • Absolute Ehrlichkeit im Prozess, Lügen verhindern den wichtigen Vertrauensaufbau im Prozess (also z. B. sagen, wenn man noch in anderen Prozessen ist oder Freistellungen nicht verschweigen).
  • Davon ausgehen, dass Dinge, die über einen im Internet stehen, bekannt sind.
  • Absolute Selbstverständlichkeiten sicherstellen, d.h. pünktliche Anreise oder Mobile auf lautlos stellen.

Don’ts

  • Ein Motivationsschreiben, welches nicht spezifisch auf die Funktion verfasst ist; oder im schlimmsten Fall sogar noch einen Bezug zu einer anderen Position enthält.
  •  Unvorbereitet sein ist das «No Go» par excellence.
  • Ohne Punkt und Komma sprechen; wenn um eine kurze Antwort gebeten wird, dann muss man/frau nicht fünf Minuten sprechen.
  • Anzugsjacke ohne zu fragen ausziehen.
  • Fragen beantworten, welche nicht gestellt wurden.
  • Kein Interesse für das künftige Team oder Direktunterstellte zeigen (man/frau will nur den Job).
  • Kein Interesse für die Kultur und Werte des zukünftigen Arbeitgebers zeigen.
  • Lügen / Unwahrheiten erzählen.
  • Am Ende des Gesprächs nach einem Feedback zur eigenen Performance fragen («War ich gut?»).
  • Plumpe, undifferenzierte Antworten / Floskeln («ich kann nichts mehr verbessern», «meine Schwächen sind 70 Stunden Wochen und Ungeduld»).
  • Emotional reagieren, insbesondere, wenn vermeintliche Schwachpunkte direkt angesprochen werden, immer sachlich bleiben.

Der erste Eindruck zählt 

Auch wenn vielleicht der eine oder andere Aspekt als selbstverständlich erscheint, staunt Michèle Etienne von Innopool doch immer wieder, dass die Kandidierenden aus ihrer Sicht Banalitäten vernachlässigen. Damit prägen, wie sie weiter sagt, die Kandidatinnen und Kandidaten den ersten persönlichen Eindruck. Und dieser zählt und bleibt. 
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