«Wir haben eine Ethik»: Genfer Kinderärzte begrenzen Streik

Nach dem Notfall-Urteil des Bundesgerichts wollten die Pädiater ihre Dienste über Weihnachten einschränken. Nun gibt es einen Kompromiss zwischen Protest und Patientenwohl.

, 13. Dezember 2024 um 03:00
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Symbolbild: Jonathan Borba on Unsplash
Vor zwei Wochen beschlossen die Mitglieder der Société genevoise de pédiatrie (SGP), ab 21. Dezember teilweise in den Ausstand zu treten: Man werde keinen Dienst mehr zu Randzeiten anbieten – ab 18 Uhr sei Feierabend, so der Beschluss an einer ausserordentlichen Generalversammlung. 92 Prozent der anwesenden Kinderärztinnen und Kinderärzte stimmten für diesen Schritt.
Die Aktion ist ein Protest gegen die Zustände, die durch den inzwischen landesweit debattierten Bundesgerichts-Entscheid vom Juni 2024 entstanden sind: Danach können Mediziner keine besondere Inkonvenienz-Entschädigung erwarten, wenn sie fortgesetzt zu Randzeiten und am Wochenende ihre Dienste anbieten; und auch nicht, wenn sie im Angestellten-Verhältnis sind. Vielmehr gelten die höheren Tarife nur für ausserordentliche Not-Einsätze und Hausbesuche.

2 Stunden weniger

Dies trifft nicht nur Permanence-Unternehmen, sondern auch kleinere Praxen, die oft nach dem AG- oder GmbH-Prinzip funktionieren. «Wir können nicht von Fachleuten verlangen, dass sie abends, am Wochenende und an Feiertagen unentgeltlich arbeiten!», sagte Yves Corajod, der Co-Präsident der Genfer Kinderärzte-Gesellschaft, gegenüber der «Tribune de Genève».
Zum Protest sollte nun der «Service de Garde» ab 21. Dezember ausgesetzt werden.
Doch inzwischen krebsen die Pädiater wieder etwas zurück: Sie werden ihre Präsenz zur leicht reduzieren. Für kranke Genfer Kinder gilt zur Weihnachtszeit also: Statt wie bislang von 18 bis 22 Uhr wird der Pikettdienst nur von 19 bis 21 Uhr besetzt sein; und am Wochenende gibt es nur noch Präsenz von 11 bis 19 Uhr – statt wie bislang üblich von 9 bis 22 Uhr. Dies teilte das Gesundheitsdepartement mit.
«Wir wollen definitiv nicht die Patienten bestrafen», erklärte Jean-Yves Corajod den Schritt gegenüber «20 Minutes»: «Wir haben eine Ethik».
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