Grippeviren nutzen doppelten Eintrittsweg

Ein Team der Universität Zürich hat herausgefunden, dass Grippeviren und das H2N2-Vogelgrippevirus zwei Wege nutzen können, um in Zellen einzudringen. Was hilft, zwischen den Arten zu wechseln.

, 19. Juli 2024 um 07:56
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Symbolbild: Sarah Brown on Unsplash
Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich haben entdeckt, dass menschliche Grippeviren und das H2N2-Vogelgrippevirus neben dem bekannten Eintrittsweg über Sialinsäure eine zweite Eintrittspforte nutzen: einen Proteinkomplex des Immunsystems.
Dieser zusätzliche Weg ermögliche den Viren, verschiedene Arten zu infizieren und zwischen Tieren und Menschen zu wechseln, heisst es in einer Mitteilung der UZH.
«Menschliche Influenza-A-Viren des Subtyps H2N2 und das verwandte H2N2-Vogelgrippevirus können über einen zweiten Rezeptor in die Zellen gelangen. Sie nutzen also einen alternativen Eintrittsweg», sagt Silke Stertz vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Zürich (UZH).
Influenza-A-Viren zirkulieren hauptsächlich in Vögeln und Schweinen und stellen normalerweise kein Risiko für Menschen dar. Bei Ausbrüchen wie derzeit in den USA oder während der Grippewelle können diese Viren jedoch gefährlich werden. Manchmal gelingt der Sprung vom Tier zum Menschen, was zu Pandemien führen kann.
Die meisten Influenzaviren dringen über das Hüllprotein Hämagglutinin – das an Sialinsäure auf der Zelloberfläche bindet – in die Zellen ein. Die Forschenden um Silke Stertz zeigen nun, dass Hämagglutinin auch an MHC-Klasse-II-Proteinkomplexe bindet, die auf Immun- und Atemwegszellen sitzen. Diese Komplexe ermöglichen den Viren den Eintritt in die Zellen.
Tests bestätigten, dass H2N2-Viren sowohl in tierischen als auch in menschlichen Zellen über diesen zweiten Weg eindringen können. Diese Fähigkeit könnte erklären, warum sich Influenzaviren anpassen und von Tieren auf Menschen übergehen können.
Das Risiko, dass Influenzaviren von Tieren wie Vögeln und Schweinen Pandemien auslösen können, ist möglicherweise höher als bisher gedacht. Die Fähigkeit der H2N2-Viren, MHC-Klasse-II-Komplexe für den Zelleintritt zu nutzen, könnte eine Ursache für die weltweite Grippepandemie von 1957 gewesen sein.
Die Forschenden fordern daher eine verstärkte Überwachung von Influenza bei Tieren und Menschen.
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