Bern hat das erste Kinderhospiz der Schweiz

Jährlich sollen hier bis zu 150 schwerkranke Kinder und Jugendliche betreut werden. Staatliche Finanzierung erhält das Hospiz keine.

, 9. August 2024 um 08:30
image
In einem umgebauten Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert ist das Kinderhospiz Allani untergrbacht. Bild: zvg
In Bern wird Mitte August das erste Kinderhospiz der Schweiz eröffnet. In einem umgebauten Bauernhaus ermöglicht die Stiftung Allani schwerst- und todkranken Kindern und ihren Familien tage- oder wochenweise Entlastungsaufenthalte.
Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit leiden in der Schweiz rund 10 000 Kinder und Jugendliche an lebensverkürzenden Krankheiten. Während es in Europa 133 Kinderhospize gibt – 20 davon allein in Deutschland – fehlte es in der Schweiz bislang an einem solchen Angebot.
Mit dem Kinderhospiz Allani wird hier nun eine Lücke geschlossen. Allerdings: Die Politik sieht solche Institutionen bislang nicht vor. Eine staatliche Unterstützung, die über die Beiträge der IV und der Krankenkassen hinausgeht, gibt es nicht.

Private Geldgeber

Das erste Kinderhospiz der Schweiz ist deshalb auf private Geldgeber angewiesen. Mit Spenden von Stiftungen und Privatpersonen konnte der 5,9 Millionen Franken teure Umbau des Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert realisiert werden. Die Familien, die ihre Kinder begleiten, zahlen 50 Franken pro Tag, vor allem für die Verpflegung.
Für die ersten beiden Betriebsjahre sind bereits 2,9 Millionen Franken für das erste und 3,5 Millionen Franken für das zweite Jahr gesichert. Dies sei notwendig, da eine öffentliche Finanzierung vor 2026 unwahrscheinlich ist, so Stiftungsrat Patrick Schafer gegenüber der «NZZ». Der Kanton Bern hat das Hospiz immerhin als Spitex-Betrieb anerkannt, was seine Eröffnung ermöglichte. Als Pflegeheim, das öffentliche Gelder erhalten würde, ist Allani jedoch nicht anerkannt.

Das Kinderhospiz Allani bietet Platz für bis zu acht Kinder und Jugendliche. 25 vorwiegend in Teilzeit tätige Pflegefachpersonen sowie über 165 ehrenamtliche Freiwillige sorgen dafür, dass die Kinder und ihre Eltern während 365 Tagen professionell betreut werden. Der Aufenthalt der Kinder und ihrer Familien soll in der Regel ein bis drei Wochen dauern.

Weitere Hospize im Bau

Am 27. Juni wurde in Fällanden der Grundstein für das Kinderhospiz Flamingo gelegt, ein Projekt der Stiftung Kinderhospiz Schweiz. Das Hospiz soll ab Ende 2025 bis zu acht Kinder und Jugendliche aufnehmen, ähnlich wie das Kinderhospiz in Bern. Im Gegensatz zu Bern erhielt das Zürcher Projekt Unterstützung aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons, der den Bau mit 6 Millionen Franken finanziert.
In Basel plant der Verein «Mehr Leben» ein Palliativzentrum mit ebenfalls acht Betten, das für alle Generationen offen sein soll. Hier sollen schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen einen Ort der Entlastung finden. Ein Eröffnungstermin für das Zentrum steht jedoch noch nicht fest.

Artikel teilen
  • Share
  • Tweet
  • Linkedin
  • Whatsapp
  • Telegram
Kommentar

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Was ist Ihr Beruf?

Wo arbeiten Sie?*

undefined
undefined

*Diese Angaben sind freiwillig. Sie bleiben im Übrigen anonym.
Warum bitten wir Sie darum? Medinside bietet Ihnen die Informationen und Beiträge kostenlos. Das bedeutet, dass wir auf Werbung angewiesen sind. Umgekehrt bedeutet es idealerweise auch, dass Ihnen auf Medinside möglichst nur Werbung gezeigt wird, die zu Ihnen passt und die Sie interessant finden könnten.
Wenn wir durch solche Erhebungen Angaben über das allgemeine Profil des Medinside-Publikums gewinnen, nützt dies allen: Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, uns und unseren Kunden. Vielen Dank!


Mehr zum Thema

image

Spital Bülach baut im Palliativ-Bereich aus

Im neu eröffneten Holz-Anbau des Regionalspitals hat es nun Platz für zwölf Patienten.

image

KSGL: Hündin als Mitarbeiterin, Hunde am Arbeitsplatz

Im Kantonsspital Glarus hilft die Therapiehündin Jill bei der Betreuung – auf verschiedensten Abteilungen.

image

Palliative Care: Zeigen, was ist

Die Stiftung Palliaviva macht in einem Foto-Projekt die Realität von Palliative Care sichtbar – damit die Öffentlichkeit besser für die Betreuungsarbeit sensibilisiert wird.

image

«Herr Kunz, sind Sie für oder gegen Exit?»

Der bekannteste Palliativmediziner im Land über teure Chemotherapie, falsche Vorstellungen, unsinnige Statistiken – und weshalb Fallpauschalen in der Palliative Care problematisch sind.

image

Neues Amt für Michael Jordi

Der ehemalige GDK-Generalsekretär geht in den Vorstand von Palliative.ch.

image

Fusion in Basel: Bethesda Spital übernimmt Hildegard Klinik

Der Hildegard-Standort in Basel wird 2025 aufgegeben. Gemeinsam soll aber ein grösseres Angebot für Palliative Care entstehen.

Vom gleichen Autor

image

Auch Unispital Zürich mit besserem Jahresergebnis

2024 behandelte das USZ stationär wie ambulant mehr Patienten. Damit konnte der Verlust gesenkt werden.

image

Neue HR-Leiterin am Sanatorium Kilchberg

Corinne von Gunten wird damit auch Mitglied der Geschäftsleitung. Sie war zuletzt im Spital Bülach tätig.

image

Physiotherapeuten bekommen endlich einen neuen Tarif

Ab Juli 2025 gilt ein neuer Zeitleistungstarif, der den bisherigen Pauschaltarif ablöst. Darauf haben sich die Tarifpartner Physioswiss, H+ und die Medizinaltarif-Kommission geeinigt.