Es braucht mehr Wettbewerb bei den Laboranalysen

Ärztetarife werden ausgehandelt – aber bei den medizinischen Labors legt der Staat die Preise fest. Warum? Und vor allem: Wie lange noch?

Gastbeitrag von Andri Silberschmidt, 21. März 2025 um 23:00
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50 Franken in der Schweiz, 10 Franken in den Niederlanden – eine Vitamin-D-Analyse kostet in der Schweiz bis zu fünfmal mehr als in den Niederlanden. Laborkosten belasten die Grundversicherung jährlich mit über zwei Milliarden Franken – und als Prämienzahlende haben wir darauf keinen direkten Einfluss.
Dahinter steht ein strukturelles Problem: Während Ärztetarife zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens ausgehandelt werden, legt das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) die Labortarife zentral fest. Diese sogenannten administrierten Preise führen zu festgeschriebenen Margen, die jeglichen Wettbewerb verhindern.
Zwar hat der Bund in der Vergangenheit punktuelle Tarifsenkungen vorgenommen, doch die Gesamtausgaben steigen weiter.
Andri Silberschmidt ist Unternehmer, Mitglied des Nationalrates sowie Vizepräsident der FDP.
Dabei würde es eine Umstellung auf verhandelte Preise ermöglichen, dass Krankenkassen und Leistungserbringer gemeinsam faire Tarife aushandeln. Es ist davon auszugehen, dass damit die Laborkosten nachhaltig gedämpft werden könnten.
In anderen Bereichen des Gesundheitswesens ist dieses Modell bereits etabliert: Ärzte und Spitäler verhandeln die Tarife mit den Versicherern. Warum sollte das nicht auch für Laboranalysen gelten?

Lockerung des Vertragszwangs

Neben der Umstellung auf verhandelte Preise bei Laboranalysen ist auch die Lockerung des Vertragszwangs ein wichtiger Hebel zur Kostensenkung. In Regionen mit einer hohen Dichte an Laboren sollten Versicherungen die Möglichkeit erhalten, gezielt mit bestimmten Anbietern Verträge abzuschliessen. Dies würde die Effizienz steigern und die Kosten weiter senken.
Zum Vorteil der Prämienzahlenden hat der Nationalrat diesen beiden Ansinnen in der diesjährigen Frühjahrssession zugestimmt. Nun geht das Geschäft an den Ständerat, der als nächstes darüber debattieren wird. Es ist zu hoffen, dass er anerkennt, dass mehr Wettbewerb bei Laboranalysen die Gesundheitskosten dämpft und die Belastung der Prämienzahlenden senkt – anders als noch im vergangenen Herbst, als die kleine Kammer nicht auf das Geschäft eintreten wollte.
Denn eines ist klar: Die Kostensteigerung bei den Labortarifen muss gestoppt werden. Es braucht mehr Markt und mehr Wettbewerb, um eine qualitativ hochwertige, aber dennoch bezahlbare Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

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