Beim Contact-Tracing ist Zug der Vorbild-Kanton

Derzeit schauen etliche Kantonsärzte auf ihren Zuger Kollegen: Zug hat nämlich grosse Erfahrung mit der Verfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten.

, 6. Mai 2020 um 17:07
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Das tägliche Telefongespräch mit Infizierten und Kontaktpersonen: Auf diese Weise werden die Betroffenen in der Quarantäne betreut und angeleitet. | Bild: pxhere 
«Mit wem hatten Sie in den letzten 48 Stunden vor Ausbruch der Krankheit länger als eine Viertelstunde und näher als zwei Meter Kontakt?»: Das ist die Frage, auf welche sich nun Corona-Infizierte gefasst machen müssen.

Viele Kantone haben Rückverfolgung schnell aufgegeben

Denn nun verlangt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) von allen Kantonsärzten, dass Sie lückenlos alle Kontakte von Neuinfizierte rückverfolgen. Ganz am Anfang der Covid-19-Pandemie haben das alle Kantone gemacht. Doch die Infizierten-Zahlen nahmen so schnell zu, dass die meisten Kantone dieses so genannte Contact-Tracing aufgaben.
Nicht so der Kanton Zug: «Es war aufwändig, aber wir haben seit Beginn der Pandemie immer alle Kontakte rückverfolgt», sagt Aurel Köpfli, Sprecher des Zuger Kantonsarztamtes, gegenüber Medinside. Für die Rückverfolgung und die anschliessende Betreuung der Betroffenen in der Quarantäne hat Zug die Lungenliga Zentralschweiz beauftragt.

500 Personen täglich angerufen

Bis Ende April hat die Lungenliga für den Kanton Zug 600 Arbeitsstunden geleistet. Rund 500 Infizierte und ihre Kontaktpersonen hat die Lungenliga täglich angerufen und sie bei ihrer Quarantäne begleitet. Denn klar ist: Wer infiziert ist oder die Kontaktperson einer infizierten Person ist, muss zuhause bleiben.
Nach zehn Tagen ohne Symptome kann die Quarantäne wieder verlassen verlassen werden. «Die Betroffenen sind sehr verständig und kooperativ», lobt Aurel Köpfli. Bisher wollte sich nur eine Person nicht in Quarantäne begeben. Diese habe dann eine Verfügung erhalten. Wird die Verfügung nicht eingehalten, kann der Kanton büssen. So weit ist es in Zug aber noch nicht gekommen.

Zug will nicht überwachen, sondern helfen

Überhaupt: Der Kanton setzt auf die Ehrlichkeit der Betroffenen. «Wir können und wollen die Leute nicht überwachen», betont Aurel Köpfli. Wohl könnte man etwa mit Videoanrufen besser kontrollieren, ob sich die Betroffenen tatsächlich zuhause aufhalten. Doch Köpfli sagt: «Wir wollen, dass es den Leuten gut geht. Deshalb rufen wir nicht zur Kontrolle täglich an, sondern damit wir den Kontakt halten, Fragen beantworten und Probleme lösen helfen können.»
Das ist auch der Lungenliga wichtig, welche im Auftrag des Kantons arbeitet. Die Mitarbeiterinnen  müssen als erstes bei den infizierten Personen feststellen, ob sie Kontakte zu anderen Personen hatten. Diese hat die Lungenliga dann zu informieren und zu betreuen.

Diese Personen gelten als Kontakt

«Wichtig bei der Befragung ist, dass die infizierte Person verstanden hat, warum sie ihre Kontaktpersonen nennen sollte. Nämlich weil diese Personen möglicherweise angesteckt sind und es nun wichtig sei, diese Personen zu informieren und anzuleiten, wie es weiter geht», sagt Susanne Sägesser, Mediensprecherin der Lungenliga Zentralschweiz.
Als Kontaktpersonen gelten:
  • Familienmitglieder und Personen, die im gleichen Haushalt wohnen
  • Intimkontakte
  • Menschen, mit denen bis 48 Stunden vor Ausbruch der Krankheit länger als 15 Minuten und näher als zwei Meter Kontakt bestand.

Andere Kantone sind interessiert

Die Arbeit der Lungenliga und des Kantons Zug wird von anderen Kantonen interessiert beobachtet. Denn sie müssen nun ebenfalls wieder Kontakte von Infizierten rückverfolgen. Die Lungenliga Zentralschweiz arbeitet mit derzeit acht Vollzeitstellen auch für die Kantone Luzern und Schwyz.
Der Bundesrat setzt auf die persönliche Rückverfolgung aller Kontakte von Infizierten. Die Handy-App fürs digitale Contact-Tracing ist derzeit noch umstritten und wird gemäss den Aussagen des Bundesrats nur eine zusätzliche Hilfe, aber keinen Ersatz für die herkömmliche Strategie der Rückverfolgung bieten.
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