So viel schöner haben es kranke Kinder im neuen Kispi

Früher verbrachten Kinder für eine Stammzelltransplantationen Wochen in einer Isolationskabine. Im neuen Kispi gibt es keine Zellen mehr.

, 30. Dezember 2024 um 04:52
image
Zelle 2: Ein Kind erinnert sich mit dieser Zeichnung an seinen Aufenthalt im Isolationszimmer im alten Kinderspital Zürich. | zvg
Eine gelbe, verglaste Kabine im Kinderspital: Das war bis vor kurzem der Ort, wo schwerkranke Kinder Wochen in Isolation verbringen mussten. Deren Immunsystem ist so geschwächt, dass jeder Keim lebensgefährlich für sie wäre. Die Luft, welche die Kinder einatmen, ist filtriert und steht unter Druck, damit keine unreine Luft von aussen eindringt.
image
So sahen die drei Isolationskabinen im alten Kinderspital aus. | zvg
Die Kabinen im alten Kinderspital waren so klein, dass die Eltern nicht bei ihren Kindern übernachten konnten. «Sie hatten auch keine WCs, so dass die Kinder WC-Stühle, Töpfe oder Windeln benutzen mussten», blickt Tayfun Güngör, der Leiter der Abteilung Stammzelltransplantation im Kinderspital, zurück.
Güngörs Abteilung behandelt mehr als zwei Drittel aller pädiatrischen Patienten, und ist die mit Abstand grösste Stammzelltransplantations-Abteilung für Kinder in der Schweiz.
Und sie hat nun im neuen Kinderspital eine weitaus weniger belastende Atmosphäre für die kranken Kinder zu bieten: Die Isolations-Räume sind nicht mehr Kabinen, sondern richtige Zimmer. Die Luft wird mit einer speziellen Lüftung mehrmals pro Stunde ausgetauscht. Sie bläst die gefilterte Luft vom Fenster zum Ausgang.
Darum steht das Bett für die jungen Patienten, die eine Stammzellentransplantation brauchen, am Fenster. So sind die Kinder immer noch möglichst geschützt vor Aerosolen oder Sporen, weil die Lüftung gefährliche Keime wegträgt.
image
Das Kinderbett steht am Fenster:: Dort sorgt die Lüftung für keimfreie Luft. | Kinderspital
Hier zeigt eine Pflegefachfrau eines der acht neuen Zimmer, die für Stammzellentransplantationen genutzt werden.

Mit Bett für die Eltern

In den Zimmern hat es auch Elternbett. So dass die Eltern nun – natürlich unter strengen Hygienevorschriften – während der langwierigen Therapie bei ihren Kindern übernachten können. Jedes Zimmer hat zudem ein eigenes Badezimmer. So haben die Kinder und Jugendlichen mehr Privatsphäre und mehr Raum, um sich zu bewegen.
image
Viel geräumiger als früher: Eines der neuen Stammzelltransplantationszimmer im Kinderspital. | zvg
Tayfun Güngör ist erleichtert: «Es war höchste Zeit, dass wir diese Möglichkeit am Kispi erhalten haben.» Auch die Eltern seien glücklich, näher bei ihren Kindern sein zu können.
Die Kinder auf der Abteilung Stammzelltransplantation haben häufig einen Immundefekt oder Leukämie, manche auch Stoffwechselerkrankungen. Sie erhalten bei der Behandliung neue Blutstammzellen von einem Spender.

Gegen aggressive Krebserkrankung

Die Stammzelltransplantation ist unter anderem die einzige erfolgversprechende Behandlung einer aggressiven, sehr seltenen und vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen auftretenden Krebserkrankung, der juvenilen myelomonozytäre Leukämie.
Vor der Transplantation werden mit einer intensiven Chemotherapie zuerst die Krebszellen im Knochenmark zerstört. Gleichzeitig wird das Knochenmark von allen Blutzellen gesäubert und damit Platz geschaffen für die Spenderzellen. Dann werden der Patientin die Blut-Stammzellen des gesunden Spenders wie bei einer Bluttransfusion intravenös verabreicht. Die Stammzellen fliessen in das nun leere Knochenmark, siedeln sich dort an und beginnen nach einiger Zeit mit der Bildung neuer, gesunder Blutzellen.
Nach der Transplantation der Stammzellen des gesunden Spenders müssen die Kinder noch Wochen in einer Isolationskabine auf der Abteilung der Stammzelltransplantation verbringen. Als Nebenwirkungen der Chemotherapie haben die jungen Patienten keine eigenen Abwehrzellen im Körper und sind extrem infektgefährdet.
Artikel teilen
  • Share
  • Tweet
  • Linkedin
  • Whatsapp
  • Telegram
Kommentar

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Was ist Ihr Beruf?

Wo arbeiten Sie?*

undefined
undefined

*Diese Angaben sind freiwillig. Sie bleiben im Übrigen anonym.
Warum bitten wir Sie darum? Medinside bietet Ihnen die Informationen und Beiträge kostenlos. Das bedeutet, dass wir auf Werbung angewiesen sind. Umgekehrt bedeutet es idealerweise auch, dass Ihnen auf Medinside möglichst nur Werbung gezeigt wird, die zu Ihnen passt und die Sie interessant finden könnten.
Wenn wir durch solche Erhebungen Angaben über das allgemeine Profil des Medinside-Publikums gewinnen, nützt dies allen: Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, uns und unseren Kunden. Vielen Dank!


Mehr zum Thema

image

Kinderspital-Direktor Georg Schäppi hat gekündigt

Nach fünf Jahren als CEO des Kinderspitals Zürich will Georg Schäppi eine andere Stelle antreten: Er übernimmt den Gesundheitsbereich bei der Kühne-Stiftung.

image

Kispi Zürich: «Finanzlage weiterhin kritisch»

Die Kantonsregierung unterstützt das Kinderspital Zürich mit weiteren 25 Millionen Franken und verstärkt die Aufsicht durch eine Vertretung im Stiftungsrat.

image

Kispi-Neubau nähert sich seinem Spendenziel

Von den angestrebten 150 Millionen Franken konnten bereits 135 Millionen gesammelt werden.

image

Das neue Kispi ist eröffnet: «Wir sind von der Vergangenheit in die Zukunft gesprungen»

Seit diesem Samstag, 8 Uhr, ist das neue Kinderspital in Zürich-Lengg in Betrieb. 62 Kinder zogen um, 24 Krankenwagen und fast 1000 Helfer waren im Einsatz.

image

Kispi wegen «Riesenfete» kritisiert – doch die Köche arbeiten gratis

Das überschuldete Kinderspital Zürich feiere seinen Neubau mit einem Michelin-Sternkoch, schreibt ein Online-Medium provokativ.

image

«Architektur kann zu Heilung beitragen»

Das neue Kinderspital Zürich wurde heute eingeweiht. Am 2. November nimmt es seinen Betrieb am neuen Standort auf.

Vom gleichen Autor

image

Der neue Valenser Reha-Klinikdirektor kennt das Haus bestens

Denis Mayinger ist der neu Direktor der Rehazentren Walenstadtberg und Chur. Er war bisher der Leiter Therapien im Rehazentrum Walenstadtberg.

image

Pedeus übernimmt die Datenbank für Kinderdosierungen

Eien Tochterfirma des Zürcher Kispis bietet einen Gratis-Zugang zu ihrer eigenen Dosierungs-Software.

image

Zug verliert seinen beliebten Gesundheitsdirektor an Bern

Gesundheitsdirektoren haben in den Kantonen oft einen schweren Stand. Nicht so der Zuger Martin Pfister. Doch nun geht er in den Bundesrat.