Medikamente erstmals grösster Kostenblock in der Grundversicherung

Erstmals liegen die Ausgaben über 9 Milliarden Franken. Mehrere Faktoren spielen hinein: teure Neueinführungen, Mengenausweitung, zusätzliche Indikationen, höherer Pro-Kopf-Verbrauch.

, 3. Dezember 2024 um 14:36
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Kontrolle in der Arzneimittelproduktion  |  Bild: PD Pfizer
Die Ausgaben für Medikamente in der Grundversicherung sind von 2022 auf 2023 um knapp 6 Prozent gestiegen. Konkret schlüsselt sich das so auf:
  • 6,9 Millionen Personen in der Schweiz (+1.5% mehr als 2022) kauften im letzten Jahr
  • 137 Millionen Medikamentenpackungen (+2.1%) und sorgten damit für
  • Mehrkosten von 500 Millionen Franken (+5.9%).
Dies zeigt der neue Arzneimittelreport von Helsana. Am Ende erreichten die Medikamentenkosten in der Grundversicherung 9 Milliarden Franken – und wie der Bericht der grössten Krankenkasse ebenfalls betont, bilden die Medikamente damit erstmals den schwersten Kostenblock in der Grundversicherung.
Laut der Helsana-Analyse sind die Kostensteigerungen stark auf Neueinführungen und Mengenausweitungen neuer Medikamente im Hochpreissegment zurückzuführen. Daraus ergeben sich deutlich steigende Pro-Kopf-Ausgaben (+4.3%).
Der Trend zum Hochpreis-Mittel zeigt sich etwa in den durchschnittlichen Jahreskosten der fünf teuersten Krebsmedikamente: Hier liegt der Wert nun bei rund 90'000 Franken pro Person.
Und so sind die drei umsatzstärksten Präparate auch Spitzenreiter, wennn es um die ingesamt kostenintensivsten Präparate geht: Das Krebsmittel Keytruda, das Augenmedikament Eylea und der Gerinnungshemmer Xarelto verursachen zusammen Kosten von knapp 500 Millionen Franken – respektive 5.3 Prozent der gesamten Medikamentenkosten.
Krebs- und Immunsystemmittel machen mit 2,8 Milliarden Franken rund ein Drittel der gesamten Medikamentenkosten aus, obwohl sie nur für 3 Prozent aller Bezüge verantwortlich sind. Auch hier: Die Kostensteigerung von 245 Millionen Franken gegenüber dem Jahr 2022 – also um rund 10 Prozent – ist laut dem Helsana-Report vor allem auf eine Zunahme bei hochpreisigen Medikamente zurückzuführen. Hinzu kommen Mengenausweitungen wegen Indikationserweiterungen.


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