30 oder jünger? «Stiko» empfiehlt nur noch Biontech

Die Ständige Impfkommission (DE) aktualisiert ihre Impfempfehlung: Weil mit Moderna häufiger Herzprobleme auftreten, sollen unter 30-Jährige nur noch mit Biontech geimpft werden.

, 10. November 2021 um 17:43
image
Für Menschen unter 30 Jahren besteht das erhöhte Risiko einer Herzmuskelentzündung; jetzt greift auch Deutschland zu Massnahmen. (Symbolbild Pixaybay)
Nach den Massnahmen in Skandinavien und Island weiten sich diese hinsichtlich des mRNA-Impfstoffs von Moderna nun auf Deutschland aus: Wie der Fernsehsender Euronews berichtet, seien nach einer Impfung mit Moderna bei jüngeren Menschen Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen beobachtet worden. Dies vor allem bei Jungen und Mädchen und bei jungen Männern und Frauen nach einer Moderna-Impfung. 
Der Verlauf der Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen sei nach bisherigem Kenntnisstand, wie der Fernsehsender berichtet, «überwiegend mild». Für Menschen ab 30 Jahren soll das erhöhte Risiko einer Herzmuskelentzündung nicht bestehen.
Die Stiko weist darauf hin, dass es seit Einführung der beiden Impfstoffe bekannt sei, dass in seltenen Fällen nach der Impfung Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen bei jüngeren Menschen auftreten würden. Aktuelle Analysen haben nun gezeigt, dass das bei der Moderna-Impfungen häufiger der Fall sei.

Moderna beantragt Kinder-Impfung

Wie gestern bekannt wurde, hat der US-Hersteller Moderna eigenen Angaben zufolge bei der Europäischen Arzneimittelagentur Ema die Zulassung seines Corona-Impfstoffs auch für Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren beantragt. Die entsprechenden Unterlagen für die Erweiterung der bedingten Marktzulassung wurden eingereicht, so Euronews. 
Noch gibt es weder in Europa oder in der Schweiz einen zugelassenen Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren. Anders in den USA: Dort können Kinder ab fünf Jahren künftig gegen Corona geimpft werden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA gewährte dem Impfstoff von Pfizer/Biontech die Notfallzulassung. Die Impfkampagne betrifft rund 28 Millionen Kinder.

Island bevorzugt weiterhin Biontech

In Island wurden die Booster-Impfungen mit Moderna wegen dem vermehrten Auftreten von Myokarditis und Perikarditis in den skandinavischen Nachbarländern gestoppt. Nun rät die isländische Gesundheitsbehörde aufgrund der zunehmenden Durchbrüche eine Booster-Impfung ab 16 Jahren - bevorzugt mit Pfizer/Biontech - allerdings erst sechs Monate nach der Grundimmunisierung. Moderna könne verwendet werden. Allerdings nur die halbe Dosis der Grundimmunisierung. 
Im Allgemeinen will Island Pfizer/Biontech verwenden; vor allem bei Männern zwischen 16 und 39 Jahren. Der Grund bleibt weiterhin die Gefahr einer Herzentzündung nach dem sogenannten Booster mit Moderna. 

Zur Schweiz

Bis zum 3. November wurden  in der Schweiz 9834 Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die in zeitlichem Zusammenhang mit den Covid-19 Impfungen aufgetreten sind, ausgewertet. Mit 6438 (65,5 %) war der grössere Teil der Meldungen nicht schwerwiegend, 3396 (34,5 %) Meldungen wurden als schwerwiegend eingestuft.
Der grössere Teil der Meldungen bezog sich auf Frauen, in einigen Meldungen wurde das Geschlecht nicht angegeben. 6777 (68,9%) der Meldungen beziehen sich auf den Covid-19 Impfstoff Spikevax von Moderna (bei rund 65 % der verabreichten Impfdosen der in der Schweiz am häufigsten angewandte Impfstoff) und 2835 (28,8%) auf den Impfstoff Comirnaty von Pfizer/BioNTech (rund 34 % der verabreichten Impfdosen).
Unter dem Begriff infections and infestations sowie cardiac disorders bei Moderna sind bei Swissmedic 673 Fälle registriert. 

Lesen Sie weiter zum Thema:

Covid-Impfung: 40 Fälle von Herzproblemen in der SchweizDrei neue Nebenwirkungen in der Fachinfo
Artikel teilen
  • Share
  • Tweet
  • Linkedin
  • Whatsapp
  • Telegram
Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Was ist Ihr Beruf?

Wo arbeiten Sie?*

undefined
undefined

*Diese Angaben sind freiwillig. Sie bleiben im Übrigen anonym.
Warum bitten wir Sie darum? Medinside bietet Ihnen die Informationen und Beiträge kostenlos. Das bedeutet, dass wir auf Werbung angewiesen sind. Umgekehrt bedeutet es idealerweise auch, dass Ihnen auf Medinside möglichst nur Werbung gezeigt wird, die zu Ihnen passt und die Sie interessant finden könnten.
Wenn wir durch solche Erhebungen Angaben über das allgemeine Profil des Medinside-Publikums gewinnen, nützt dies allen: Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, uns und unseren Kunden. Vielen Dank!


Mehr zum Thema

image

Bundesrat zieht Lehren aus der Pandemie – zumal für Pflegeheime

Bei Epidemien sollen alte Menschen künftig stärker selber entscheiden können. Aber auch Jugendliche sollen psychisch besser betreut werden.

image

Arzt vor Gericht wegen angeblich gefälschten Covid-Zertifikaten

Einem 78-jährigen Arzt wird vorgeworfen, dass er rund 50 Impf- und 400 Genesenenzertifikate unrechtmässig ausgestellt habe.

image

«Die Schweiz ist für viele deutsche Ärzte ein Traum»

Allerdings: Für Schweizer Assistenzärzte kann die Arbeit an einem deutschen Krankenhaus interessant sein. Die Nachfrage steige, sagt Martin Werner von DocsGoSwiss im Kurzinterview.

image

Die kranken Häuser von Deutschland

Bis 2023 könnte fast die Hälfte der deutschen Kliniken von der Pleite bedroht sein – so eine neue Studie.

image

Was kostet der Leistungsausbau? Keine Ahnung

Was sind die finanziellen Folgen des Leistungsausbaus in der Grundversicherung? Der Bundesrat will das nicht wissen.

image

Deutsche Spitäler regen sich über Klinik-Atlas auf

In Deutschland sorgt die neue Online-Abfrage von Spitaldaten für Unmut: Er habe zu viele Fehler und bringe nur mehr Bürokratie.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.