Gesundheitssysteme im Vergleich: Die Schweiz im Cluster-Check

Stark staatlich oder eher marktwirtschaftlich geprägt: Was ist effizienter? Die OECD hat 37 Gesundheitssysteme analysiert. Klare Gewinner gibt es nicht – aber Hinweise, wie sich Qualität und Kosten ins Lot bringen lassen.

, 1. April 2025 um 05:45
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OECD-Konferenzzentrum in Paris  |  Bild: PD
Wie gut ist unser Gesundheitssystem konstruiert? Die OECD liefert dazu einen neuen Orientierungspunkt. In einem Analysepapier haben Expertinnen und Experten des Industriestaatenverbands 37 Länder in sieben Kategorien beziehungsweise «Cluster» eingeteilt – basierend auf der Ähnlichkeit ihrer Gesundheitssysteme.
Die Schweiz befindet sich etwa in einer Gruppe mit Deutschland, Israel, den Niederlanden und der Slowakei. Gemeinsam ist diesen Ländern ein stark marktwirtschaftlich geprägtes Gesundheitswesen, bei dem die Grundversicherung durch verschiedene private Krankenkassen angeboten wird.
Am anderen Ende des Spektrums steht ein Cluster mit Ländern wie Dänemark, Italien, Schweden oder Grossbritannien: Dort sind sowohl Leistungserbringer als auch Versicherer weitgehend staatlich organisiert – und die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten ist deutlich eingeschränkter. Weitere Kriterien für die Gruppeneinteilung waren zum Beispiel die Rolle der Hausärzte («Gatekeeping») oder die Finanzierungsstrukturen.
Im nächsten Schritt setzten die OECD-Analysten die Systemstruktur in Beziehung zur Effizienz – gemessen unter anderem am Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP oder an altersstandardisierten Sterberaten.
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Effizienzwerte innerhalb sowie zwischen den verschiedenen Clustern (Maximum: 1.0)  |  Grafik: aus d. zitierten Studie.
Ein zentrales Ergebnis: Es lässt sich kein klares Muster erkennen, das einem bestimmten Systemtyp überlegene Effizienz zuschreibt. Die Unterschiede innerhalb der jeweiligen Gruppen sind sehr gross, auch bei der Effizienz.
Nimmt man einfach den Durchschnittswert, erreicht das Cluster mit der Schweiz immerhin den dritthöchsten Effizienz-Score – 0,65 bei einem theoretischen Maximum von 1.

It's the Grundversorgung, stupid

Am besten schneidet die Gruppe mit Australien, Belgien, Frankreich und Kanada ab. Dort ist die Grundversicherung staatlich organisiert, gleichzeitig geniessen die Versicherten grosse Wahlfreiheit; und die Hausärzte übernehmen eine stärkere Steuerungsfunktion.
Aber eben: Die Unterschiede innerhalb der Cluster sind grösser als die zwischen den Clustern. Dies wiederum bedeutet, dass es wenig bringen dürfte, ganze Systeme umzubauen. Sondern dass sich die Politik besser darauf konzentrieren sollte, an einzelnen Stellschrauben zu drehen.
Die Studie nennt zwei konkrete Ansatzpunkte:
  • Erstens führen Vergütungsmodelle, die Qualität statt Quantität belohnen, nachweislich zu besseren Ergebnissen.
  • Zweitens profitieren Systeme mit starker Ausrichtung auf die Grundversorgung. Sie verzeichnen signifikant weniger vermeidbare Spitaleinweisungen.

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