Kennen Sie Doktor Ed? Vielleicht nicht. Der Telemed-Dienst
«Dr.Ed» ist zwar schon seit 2012 in der Schweiz präsent, aber er lief weitestgehend unterm Radar der breiten Öffentlichkeit, selbst des Fachpublikums.
Sein Prinzip: Man bekommt ohne Termin online Zugang zu ärztlicher Beratung, was primär übers Ausfüllen von Fragebögen geschieht. Und dabei konzentriert sich Dr.Ed fachlich auf ein paar Felder – Felder zumeist, die manch einer lieber anonym und online besprochen haben will. Etwa Erektionsstörungen, Haarausfall, Raucherentwöhnung, Akne oder Geschlechtskrankheiten.
Der Sitz des Telemed-Anbieters ist in London – wobei dort dann auch Mediziner mit der Zulassung jener Länder tätig sind, aus denen das jeweilige Publikum kommt.
Es kommt per Expressversand
Der Ablauf wird schon auf der Startseite so beschrieben, dass es dem einen oder anderen Gesundheits-Aufseher die Nackenhaare sträuben dürfte: 1. Medikament anfordern (wobei man einen ärztlichen Fragebogen ausfüllt), 2. Arzt stellt Rezept aus, 3. Expressversand.
Je nach Anliegen wird schon beim Ausfüllen des Fragebogens ersichtlich, welches Rezept am Ende des Klick-Prozesses stehen wird, etwa Propecia bei Haarausfall oder Champix zur Raucherentwöhnung.
Ohne Wartezimmer: Facebook-Anzeige von Dr. Ed für die Schweiz
Als Dr.Ed vor vier Jahren erstmals in der Schweiz aktiv wurde, schlief die Sache rasch ein: Denn damals setzten die Behörden – etwa kantonale Apothekenaufsichten – Druck auf bei jenen Apotheken, die Rezepte aus der Online-Praxis annahmen.
Doch momentan macht das Unternehmen wieder eifrig Werbung auf Schweizer Sites, 20-Franken-Begrüssungsgutscheine inklusive.
Dabei können sich die hiesigen Patienten die Medikamente im Rahmen des Dr.Ed-Prozesses direkt aus Apotheken in Deutschland zusenden lassen: «Die liefern zoll- und arzneimittelrecht-konform», sagt David Meinertz, der Geschäftsführer und Mitgründer des Telemed-Unternehmens. «Zum Beispiel wird höchstens ein Monatsbedarf über die Grenze gesandt, nicht mehr.»
Bis 40 Patienten pro Tag
Kommt hinzu, so Meinertz, dass auch die Rezepte aus Papier heute in Schweizer Apotheken eher akzeptiert werden als noch vor einigen Jahren.
Gewiss, noch ist die Schweiz für dred.com ein Nebenmarkt: Von hier aus loggen sich etwa 15 bis 40 Patienten pro Tag ein – verglichen mit täglich über 1’000 aus Ländern wie Deutschland, Österreich oder Grossbritannien. Doch David Meinertz und sein Team sehen hier Wachstumschancen. Und so nimmt in wenigen Tagen auch ein Arzt mit Schweizer Zulassung seine Tätigkeit in den Londoner DrEd-Büros auf.
«Ein interessanter Markt»
Kommt hinzu, dass das Online-Medizin-Unternehmen in wenigen Monaten auch in Frankreich starten will, so dass es mit den französischen Ärzten teilweise auch Patienten in der Romandie versorgen könnte.
«Wir stehen in der Schweiz erst am Anfang. Aber wir halten sie nach wie vor für einen interessanten Markt», sagt der Firmengründer aus London, wobei er interessanterweise an die Pionierleistung von Medgate erinnert: Der hiesige Telemedizin-Marktführer sei durchaus ein Vorbild. Und vor allem habe er viel dazu beigetragen, dass das hiesige Publikum gegenüber der ärztlichen Online-Beratung sehr aufgeschlossen sei. Darauf lasse sich aufbauen.