Migros will mit Apotheken die Hausärzte entlasten

Die Medbase-Filialen wollen ihr Angebot ausbauen: Sie sollen zu «Points of Care» werden, sagt CEO Marcel Napierala in einem Interview.

, 10. Juni 2024 um 10:28
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«Wir stehen für Grundversorgung mit Augenmass. Daraus ergibt sich für uns die integrierte Gesundheitsversorgung»: So beantwortet Marcel Napierala die Frage nach dem strategischen Anspruch der Migros im Gesundheitsbereich. Dabei werde man sich in diesem Feld vor allem über die Apotheken ausbreiten, so Medbase-Chef Napierala in einem neuen Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
«Unser Ziel ist es, die Apotheken von einem ‚Point of Sale‘ – also einem reinen Ladengeschäft – zu einem ‚Point of Care‘ zu entwickeln», so Napierala: «Die Apotheken nehmen eine wichtige Rolle in der medizinischen Grundversorgung ein. Früher lag der Fokus auf Medikamentenberatung und -abgabe. Heute ermöglichen wir Erstversorgung und bieten verschiedene Dienstleistungen und Angebote wie Impfungen oder Allergiechecks an. Diese Bereiche werden wir weiter ausbauen, denn es entlastet die Arztpraxen, insbesondere der Hausärzte, die bereits heute stark überlastet sind.»
Medbase prüft nun in verschiedenen Pilotprojekten, wie sich die Rolle der Apotheken stärken lässt. In Winterthur arbeitet zum Beispiel eine ihrer Filialen eng mit einem medizinischen Zentrum zusammen: «Patientinnen und Patienten werden für bestimmte Vorgänge in die Apotheke überwiesen, etwa chronisch Kranke für die Blutdruckkontrolle. Auch die Beratung bei unkomplizierten Krankheitsbildern oder das Impfen finden dort statt», so Napierala im «Tagi»-Interview.
Die Migros-Tochter Medbase – gegründet 2001 von Napierala als sportmedizinisches Zentrum – gehört heute mit 51 eigenen Apotheken-Filialen sowie mit «Zur Rose» zu den entscheidenden Anbietern im Apotheken-Markt Schweiz.
Sie agiert dabei unabhängig – und allenfalls in Ergänzung mit der Migros. Immerhin seien «die Einkaufszentren der Migros Orte mit grossen Besucherzahlen und oft ideale Lagen für unsere Apotheken», so Napierala.
Allerdings signalisierte der Medbase-Gründer hier auch eine gewisse Vorsicht: «Wir gehen auf diesem Weg Schritt für Schritt vor. Im Gegensatz zum US-Detaillisten Walmart, der Gesundheitsangebote entwickelt und dazu Filialen in Supermärkten eröffnet hat. Jetzt schliesst er sie wieder.»

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